fließen

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flie|ßen ['fli:sn̩], floss, geflossen <itr.; ist:
(von flüssigen Stoffen, besonders von Wasser) sich gleichmäßig fortbewegen:
ein Bach fließt durch die Wiesen; Blut floss aus der Wunde; ein Zimmer mit fließendem Wasser (mit Anschluss an die Wasserleitung); der Champagner floss in Strömen (es wurde sehr viel Champagner getrunken).
Syn.: sich ergießen, laufen, plätschern, 1 quellen, rinnen, sprudeln, strömen, tröpfeln, tropfen.

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flie|ßen 〈V. intr. 138; ist
1. sich fortbewegen (von Flüssigkeiten)
2. 〈a. fig.〉 rinnen, rieseln, strömen
● bei dem Aufstand ist viel Blut geflossen es gab viele Tote ● der Bach fließt langsam, rasch, träge; die milden Gaben, die Spenden flossen reichlich es wurde viel gespendet; die Quellen \fließen hier spärlich (z. B. für den Geschichtsschreiber) es ist wenig Material zu finden; seine Rede, sein Redestrom floss unaufhörlich ● die Worte flossen mir leicht aus der Feder es machte mir keine Mühe, meine Gedanken schriftlich zu formulieren; aus der Wunde floss Blut; der Fluss fließt durch mehrere Länder; der Fluss fließt ins Meer; der Wein floss in Strömen es gab sehr viel zu trinken; der Schweiß floss mir übers Gesicht; das Haar floss ihr in weichen Wellen über die Schultern 〈poet.〉; die Tränen flossen ihr über die Wangen ● \fließendes Gewand in weichen Falten fallendes G.; \fließende Seide weicher, weichfallender Seidenstoff; \fließender Verkehr stetig strömender, stetiger V.; die Grenze zwischen Stolz und Hochmut ist \fließend ist nicht genau festzulegen, festzustellen; eine Sprache \fließend sprechen leicht, flüssig; Zimmer mit \fließendem Wasser [<ahd. fliozan, engl. fleet „schnell dahineilen“; zu idg. *pleu- „rinnen, fließen, schwimmen“; → fliegen, fliehen; verwandt mit Floß, Flosse, Flut]

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Flie|ßen:
1) durch Einwirkung äußerer Kräfte (z. B. Schwerkraft, Schubspannung) hervorgerufene Bewegung von Fl., plastischen Stoffen u. feinkörnigen Pulvern. Bei manchen Stoffen setzt Fließen erst ein, wenn eine (in Pascal zu messende) Mindestschubspannung (Fließgrenze) überschritten wird, z. B. bei Bingham-Flüssigkeiten, Casson-Stoffen u. a. Nicht-Newton-Flüssigkeiten
2) in der Metallverarbeitung die bei hohen Drücken auftretende Plastizität der Werkstoffe, die die dauerhafte Verformung (Umformen) von Werkstücken erlaubt.

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flie|ßen <st. V.; ist [mhd. vlieʒen, ahd. flioʒan, urspr. wohl = überfließen]:
1.
a) (von flüssigen Stoffen, bes. Wasser) sich gleichmäßig u. ohne Stocken fortbewegen:
das Wasser fließt spärlich [aus der Leitung];
hinter dem Haus fließt ein Bach;
das Zimmer hat fließendes Wasser (Anschluss an die Wasserleitung);
Ü der Sekt floss in Strömen (es wurde sehr viel Sekt getrunken);
es ist sehr viel Blut geflossen (viele Menschen wurden verwundet od. getötet);
die Gelder fließen reichlich (die Einnahmen sind reichlich);
b) strömend irgendwohin gelangen:
die Isar fließt in die, zur Donau;
die Elbe fließt (mündet) in die Nordsee;
die Verse fließen ihm nur so aus der Feder;
c) sich ohne Stauung od. Stockung [von einem Ort zu einem anderen] bewegen:
der Verkehr fließt [durch einen Tunnel, auf sechs Spuren];
R alles fließt (alles verändert sich ständig; Übersetzung des griech. Ausspruchs pánta rheĩ, der Heraklit [um 500 v. Chr.] zugeschrieben wird).
2. [größere Mengen von] Flüssigkeit abgeben:
die Quelle fließt reichlich.
3. weich u. wellig nach unten fallen:
das Haar fließt weich auf die Schultern.

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Fließen,
 
1) Physik: die durch Einwirkung äußerer Kräfte hervorgerufene, bei Überschreiten der Fließgrenze einsetzende Bewegung der Materieteilchen flüssiger, viskoser oder plastischer Stoffe sowie kristalliner oder amorpher Festkörper geringer Festigkeit (geringer Elastizitätsgrenze), die im Allgemeinen bei höheren Temperaturen, in einigen Fällen auch bei zunehmenden Druck- oder Scherkräften in verstärktem Maße erfolgt.
 
Bei normalen Flüssigkeiten (newtonsche Flüssigkeiten), z. B. Wasser, setzt das Fließen sofort bei Beginn der Krafteinwirkung (also schon durch das eigene Gewicht) ein; solche Stoffe haben keine Fließgrenze. Beim laminaren Fließen des Wassers, das bei kleinen Fließ- oder Strömungsgeschwindigkeiten (unter 0,1 m/s) oder kleinen Querabmessungen bezüglich der Fließ- oder Strömungsrichtung auftritt, schieben sich Flüssigkeitsschichten aneinander vorbei, ohne sich zu mischen. Bei größeren Geschwindigkeiten oder größeren Querabmessungen herrscht die durch Turbulenz gekennzeichnete, früher als Flechtströmung bezeichnete turbulente Strömung (turbulentes Fließen) vor, bei der die Wasserteilchen durcheinander wirbeln (z. B. beim Fließwechsel). Die Gesetzmäßigkeiten newtonscher Flüssigkeiten untersucht die Hydrodynamik.
 
Nichtnewtonsche Flüssigkeiten sind viskose Stoffe mit unscharfer bis scharfer Fließgrenze und/oder stark temperaturabhängigem Fließverhalten. Zu ihnen gehören Kolloide, Dispersionen, Suspensionen, polymere Lösungen, Schmelzen u. a. Das nichtnewtonsche Fließen beschreibt die Rheologie (»Fließkunde«). Bei einigen Stoffen beobachtet man nach Entlastung das Auftreten von Fließvorgängen, was auf elastische Nachwirkungen zurückzuführen ist und als Fließelastizität bezeichnet wird.
 
 2) Werkstoffkunde: der Vorgang der plastischen Verformung von Metallen und Legierungen bei hohen Belastungen. Im kalten Zustand tritt dabei eine Verfestigung des Werkstoffs ein. Bei hohen Temperaturen ist die Verfestigung gering, da durch thermische Aktivierung kontinuierlich Entfestigung auftritt. Dies wird bei der Warmumformung technisch genutzt.

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flie|ßen <st. V.; ist [mhd. vlieʒen, ahd. flioʒan, urspr. wohl = überfließen]: 1. a) (von flüssigen Stoffen, bes. Wasser) sich gleichmäßig u. ohne Stocken fortbewegen: das Wasser fließt spärlich [aus der Leitung]; hinter dem Haus fließt ein Bach; aus der Wunde floss Blut; ein fließendes Gewässer; das Zimmer hat fließendes Wasser (Anschluss an die Wasserleitung); Ü der Sekt floss in Strömen (es wurde sehr viel Sekt getrunken); es ist sehr viel Blut geflossen (viele Menschen wurden verwundet od. getötet); die Gelder fließen reichlich (die Einnahmen sind reichlich); die Nachrichten fließen spärlich (man bekommt wenig Nachrichten); b) strömend irgendwohin gelangen: die Isar fließt in die Donau; die Elbe fließt (mündet) in die Nordsee; Ü die Steuergelder flossen ins Ausland; die Verse fließen ihm nur so aus der Feder; Mehr Waffen für Iran ... bedeuten auch, dass mehr Waffen zu den afghanischen Freischärlern flössen (NZZ 30. 8. 86, 1); jedenfalls floss sein gesamtes Vermögen in das Institut (natur 2, 1991, 48); c) sich ohne Stauung od. Stockung [von einem Ort zu einem anderen] bewegen: der Verkehr fließt [durch einen Tunnel, auf sechs Spuren]; der elektrische Strom fließt durch die Leitung, fließt von plus nach minus; Ü alles fließt (alles verändert sich ständig; Übersetzung des griech. Ausspruchs pánta rheĩ, der Heraklit [um 500 v. Chr.] zugeschrieben wird). 2. [größere Mengen von] Flüssigkeit abgeben: der Wasserhahn fließt; die Quelle fließt reichlich; er war so erkältet, dass seine Nase ununterbrochen floss. 3. weich u. wellig nach unten fallen: das Haar fließt weich auf die Schultern; ein Kleid aus fließender Seide.

Universal-Lexikon. 2012.

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